(Roman von Trude Teige - Aus dem Norwegischen übersetzt von Günther Frauenlob - Fischer Taschenbuch 2024)
Dieser Roman musste mir erst persönlich empfohlen werden, bevor ich mich dafür interessiert habe. Weder bei der Veröffentlichung der „Großmutter“ noch bei Erscheinen des folgenden Teils „Und Großvater atmete mit den Wellen“ fühlte ich mich besonders angesprochen. Jetzt aber lag das Buch seit einigen Wochen ziemlich weit oben auf dem aktuellen Stapel ungelesener Bücher und ich habe das ruhige Osterwochenende genutzt, um endlich die Nase hineinzustecken.
Knapp 380 Seiten in zwei Tagen — so schnell habe ich schon länger nicht mehr gelesen. Ihr merkt: Ich war nicht enttäuscht. Der Roman liest sich flüssig. Die wechselnden Perspektiven (Juni und ihre Großmutter Tekla) auf verschiedenen Zeitebenen (Gegenwart und Nachkriegszeit) machen die Lektüre abwechslungsreich.
Die Autorin ist Journalistin und Moderatorin. Ich finde, das zeigt sich in ihrem Stil: Die Dialoge teilweise eher steif und manche inhaltliche Wendung recht vorhersehbar, das wird aber durch die grundsolide Recherche und die an persönlichen Schicksalen erlebbar gemachte Geschichts-Lektion mehr als ausgeglichen.
Die junge norwegische Krankenschwester Juni sucht in einer persönlichen Krise Zuflucht im leerstehenden Haus ihrer Großeltern. Dort stößt sie auf ein Foto, das ihre Großmutter Tekla mit einem deutschen Wehrmachtssoldaten zeigt. Ausgehend von diesem Foto beginnt Juni, sich Fragen zu stellen und zu recherchieren, um die Leerstellen in ihrer Familiengeschichte zu füllen. Ihre Suche führt sie nach Berlin und Demmin. Nach und nach beginnt sie zu begreifen, warum ihre Großmutter Tekla, aber auch ihre Mutter Lilla nie über die Väter ihrer Töchter gesprochen haben.
Ein Buch über Trauer und Scham, über Kriegsverbrechen, humanitäre Katastrophen und die Auswirkungen von Traumata über Generationen hinweg. Es bringt Themen zur Sprache, die lange verschwiegen wurden und deshalb wenig bekannt sind: das Unrecht, das vielen Norwegerinnen von ihrer Regierung angetan wurde, und die erschütternden Ereignisse im ostdeutschen Demmin in den letzten Kriegstagen und unter der russischen Besatzung.
Diese Geschichte wird noch eine Weile in mir nachhallen.
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Spricht euch die Verknüpfung von persönlichen Erlebnissen und verdrängter Geschichte auch besonders an? Falls auch ihr diesen Bestseller aus Norwegen gelesen habt — wie ist es euch damit ergangen? Kennt ihr auch die beiden anderen Bände der „Großmutter-Reihe“?
Ich bin gespannt auf eure Meinung.
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Was ich als nächstes lese, ist ausnahmsweise keine schwere Frage: Den „Großvater“ habe ich mir jedenfalls schon bereitgelegt.
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